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Institut für Psychoanalyse (DPG) Nürnberg-Regensburg e. V.

Vortrag Hans-Ludwig Siemen: „In allen Lüften hallt es wie Geschrei“ - Zur Sozialpsychologie der NS-Psychiatrie-Täter

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Veranstaltungen
Datum
09.03.2018 19:00 - 20:30
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Beschreibung

Dr. phil. Hans-Ludwig Siemen arbeitet als Psychoanalytiker in eigener Praxis in Erlangen und beschäftigt sich seit Anfang der 80er Jahre mit der Geschichte der Psychiatrie im letzten Jahrhundert und hat dazu Bücher und Artikel publiziert.

Es bleibt bis heute verstörend, dass deutsche Ärzte während des Nationalsozialismus hunderttausende Menschen zwangsweise sterilisieren halfen und viele zehntausend Psychiatriepatienten und Anstaltsbewohner töteten. Solche Verbrechen waren nur möglich, weil, neben politischen und gesellschaftlichen Bedingungen, Komplexität vereinfachende Ideologien auf einer Massenebene an individuelle regressive Abwehrstrukturen der Täter anknüpften. In der Psychiatrie des Nationalsozialismus entfaltete sich das destruktive Potential der kollektiv geteilten Phantasmen der Reinheit und der Nation. Anhand von historischen Kreuzungspunkten läßt sich zeigen, dass sozialpsychologische Dynamiken und gesellschaftliche Prozesse sich wechselseitig radikalisierten. Diese Radikalisierungsprozesse werden an drei Wegmarken aufgezeigt: 1933, als das Zwangssterilisationsgesetz verabschiedet wurde, 1942, als die zentrale Vernichtungsaktion gegen psychisch kranke Menschen in dezentraler Weise fortgesetzt wurde und 1947, als die zaghaften Versuche der Aufklärung in bleiernes Schweigen übergingen. Dabei wird u.a. auf die Schriften von Annemarie Wettley zurückgegriffen, die sich als eine der wenigen mit ihren Taten auseinanderzusetzen versuchte.
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